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Liliopsida - (Monokotyledonen)





Lange Zeit war die Gliederung der Angiospermen in Mono- und Dikotyledonen unangefochten. Heute ist man vielleicht ein wenig vorsichtiger, denn es gibt nicht ein einziges Monokotyledonenmerkmal, das nicht bei den einen oder den anderen Dikotyledonen zu finden wäre; und es gibt auch Dikotyledonenmerkmale, die auf die Monokotyledonen übergreifen. Auch bestehen auffallende Gemeinsamkeiten zwischen bestimmten Ordnungen der Monokotyledonen und der Dikotyledonen. So stehen die Alismatales den Nymphaeales sehr nahe, die Arecales den Piperales und die Dioscoreales der Familie der Aristolochiaceae. Zumindest für die Nähe der Alismatales zu den Nymphaeales werden konvergente Entwicklungen angenommen, deren Auswahl durch Besiedlung gleichartiger Standorte gefördert wurde.

Dennoch repräsentieren die Monokotyledonen alles in allem eine relativ homogene Gruppe, (R. M. T. DAHLGREN, H. T. CLIFFORD, P. T. YEO, 1985), obwohl es sich zunehmend abzeichnet, daß sie polyphyletischen Ursprungs ist, und daß sie sich von ursprünglich dikotyledonenhaften Typen ableitet. Die Monokotyledonen sind durch zwei durchgehende Merkmale gekennzeichnet:

  1. Ausbildung von nur einem Keimblatt. Die bei einigen Dikotyledonen beobachtete Einkeimblättrigkeit beruht auf Reduktion des zweiten.

  2. P II-c-Plastiden in Siebröhren. Hierbei handelt es sich um einen besonderen Typ von Siebröhrenplastiden mit charakteristischen kristallinen Proteineinschlüssen, die bei allen Monokotyledonen (und nur ausnahmsweise bei Dikotyledonen) zu finden sind.

Neben diesen für alle Monokotyledonen geltenden Merkmalen können ihnen noch eine Reihe weiterer gruppentypischer Eigenschaften zugeschrieben werden: Es sind meist Kräuter oder Stauden, selten Holzgewächse, welche sich dann aber nicht durch das dikotyledonenspezifische sekundäre Dickenwachstum auszeichnen. Bei wenigen Vertretern tritt ein besonderer Typ eines Dickenwachstums in Erscheinung. Die Leitbündel sind geschlossen, d.h., sie besitzen kein Kambium; Gefäße (Tracheen) kommen oft nur in den Wurzeln vor; in nur wenigen Gruppen sind sie auch im Sproß nachweisbar.

Das Wurzelsystem besteht nach dem frühen Absterben der Hauptwurzel aus Adventivwurzeln. Wurzelhaare entspringen nur bestimmten spezialisierten Rhizombereichen, oder sie fehlen ganz. In solchen Fällen sind die Pflanzen auf eine Symbiose mit Mykorrhizapilzen angewiesen (obligate Mycotrophie).

Unter den sekundären Pflanzenstoffen sind die kondensierten Gerbstoffe zu nennen, manchmal kommen auch Alkaloide und Saponine vor; cyanogene Verbindungen leiten sich, wenn vorhanden, vom Tyrosin ab, Ellagsäure ist nicht vorhanden.

Die Blätter sind typischerweise parallelnervig oder einfach gefiedert, gelegentlich kommt Netznervatur vor. Meist sind die Blätter in Blattscheide und Blattspreite untergliedert. Die Blüten sind in der Regel dreizählig (Trimerie), erkennar auch in rasterelektronenmikroskopischen Bildern sich entwickelnder Blütenorgane. Vielfach sind die Kelch- und Kronblätter nicht voneinander unterscheidbar, oder aber beide Blütenkreise sind blumenblattähnlich ausgebildet, doch voneinander verschieden. Der Pollen ist in der Regel uniaperturat (monocolpat), selten polyporat.

Den Monokotyledonen gehören ca. 50 000 Arten an, die man vier relativ sicher zu umreißenden Unterklassen und einer wohl nur auf dem Papier existierenden zuordnen kann. Die Liliidae enthalten Ordnungen mit recht ursprünglichen Merkmalen (Dioscoreales) neben solchen mit hochgradig spezialisierten (Orchidales). Die Alismatidae stehen ein wenig abseits, während die drei übrigen Unterklassen (Arecidae, Zingiberidae und Commelinidae) teils als ursprünglich (Arecidae), teils als abgeleitet eingestuft werden können. Unter Arecidae werden zwei (oder mehr?) isoliert dastehende Taxa zusammengefaßt; zu den Commelinidae gehören neben insektenbestäubten Ordnungen solche, die zu Windbestäubung übergegangen sind.

Die artenreichste Familie der Liliopsida, die Orchidaceae, umfaßt etwa die Hälfte aller Arten. Diese ist jedoch individuenarm, und ihr Anteil an der Gesamtbiomasse der Erde ist verschwindend gering. Die Poaceae (Gramineae, Gräser) sind die individuenreichste Familie. Ihr Anteil an der Vegetation der Erdoberfläche beträgt 20 Prozent. Ein beträchtlicher Teil der Monokotyledonen ist an feuchte Standorte gebunden; doch gerade am Beispiel der eben erwähnten Gräser ist demonstrierbar, daß sich unter den Monokotyledonen Spezialisten für jeden beliebigen Lebensraum herausgebildet haben.


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